Montag, 20. August 2012

eStory No. 2 // Gruppe 1

Vor einem guten Monat bekamen wieder mal zwei Gruppen von Lesern meines Blogs einen Anfangssatz zum Schreiben einer Kurzgeschichte..

Caro stand auf, blickte in die Runde - eine Gruppe junger Leute saß um sie herum auf dem Boden am Lagerfeuer - und fragte "wer von euch kommt jetzt mit mir?".

Nun wurden die zwei Kurzgeschichten im Reihum-Schreiben verfasst - jeder durfte immer einen Satz anfügen und schickte die Geschichte an den nächsten in seiner Gruppe. So ging es immer weiter, Satz für Satz, bis zum Abend des 18.8.2012.  

Nacheinander will ich nun beide Geschichten hier veröffentlichen. Erstmal folgt jetzt Gruppe 1.

Ein Licht in der Nacht

Caro stand auf, blickte in die Runde - eine Gruppe junger Leute saß um sie herum auf dem Boden am Lagerfeuer - und fragte "wer von euch kommt jetzt mit mir?". Keiner der anderen sah auf, denn der Vorschlag, den Caro gemacht hatte, war einfach nur lächerlich. Caro ärgerte sich über die anderen und warf in die Runde: "Wenn ihr zu feige seid, dann gehe ich eben alleine!" Verlegen schaute Nina ins Feuer.
Caro sah sie im Dunklen an, konnte aber nur ihre Silhouette und kein Gefühl von ihrem Gesicht ablesen, drehte sich deshalb gekränkt um und ging in den Wald. Ob ihre beste Freundin sie nun begleiten wollte oder nicht - Caro hielt an ihrer Entscheidung fest, dem Licht nachzugehen, denn sie war mutig. Sie war noch nicht lange gelaufen, die Bäume verdichteten sich schon und auch das Lagerfeuer schien sich schon weit entfernt zu haben, da stolperte Caro über etwas, das sich sehr lebendig anfühlte. Sie unterdrückte einen Schrei. Sie durfte jetzt keine Panik in sich aufkommen lassen. Ihr Herz pochte in jeder Zelle und sie spürte das Adrenalin im ganzen Körper, atmete aber einmal tief durch, machte einen Schritt zur Seite und beugte sich ganz langsam und vorsichtig hinunter. Es lief ihr eiskalt den Rücken herunter als sie in die großen, dunklen, erstarrten Augen blickte. Mit einem Mal zerriss ein lauter Schrei das Dunkel der Nacht. "Caro! Caro, komm sofort wieder zurück!" hörte sie die Stimme von Nina irgendwo hinter sich. Was war hier nur los? Sie wollte jetzt wieder so gerne zurück, zurück zu Nina und den anderen aber auf einmal war alles wie im Traum, sie konnte sich nicht mehr bewegen, nicht mehr antworten und stand stumm da, wie zu einer Eissäule erstarrt. Der Mann auf dem Boden, reglos ohne einen Hauch von Lebendigkeit - was war nur geschehen, wie konnte sie nun hier stehen, alleine, hilflos und verzweifelt?
Heiße Tränen liefen ihre Wangen hinab, als sie schließlich auf dem Polizeirevier saß, in eine warme Decke gehüllt und mit einem Becher dampfendem Tee in den Händen. "So Frau Schliewe, nun seien sie mal froh, dass Ihnen da nicht auch noch was passiert ist" versuchte Kommissar Reynolds die Situation ein wenig zu entspannen, "und erklären Sie mir mal, was sie da im Wald so allein vorhatten." Als ob ihn das was anginge, dachte Caro. Die ganze Zeit spielten sich immer und immer wieder im gleichen Rhythmus die Bilder in ihrem Innern ab: das Stolpern, das Gefühl vom Anstoßen, der plötzliche Schreck und der Blick auf den leblosen Körper. Sie wußte nicht wie sie hier her gekommen war und stammelte nur leise vor sich hin: "Da war dieses Licht...ganz hell mittem im Wald...und dann plötzlich war er da. Er lag da. Einfach so." und sie verstummte. Kommissar Reynolds sah sie mitleidig an, dieses junge Ding, dass die zwei Wochen alte Leiche des vermissten Milliardärs gefunden hatte und noch keine Ahnung von dem Presserummel da draußen vor dem Polizeirevier hatte, die alle nur auf die Story lauerten und das Ergebnis der Untersuchungen. "Wir wollten uns halt einen schönen Abend machen, so mit Lagerfeuer und Stockbrot, hatten natürlich alle schon ein Bierchen getrunken, es sollte so schön romantisch werden und da blitzte es auf einmal im Wald auf," fuhr Caro langsam fort. "Ich war neugierig und wollte einfach mal nachsehen." Reynolds sah Caro an, er dachte über all die Fakten nach und fand sie so verwunderlich - er konnte sich einfach keinen Reim drauf machen und fragte deshalb ganz vorsichtig: "Und dieses Licht, das Sie gesehen haben, wie sah es genau aus? Was kann es gewesen sein? Und wie weit war es von Ihnen und der Leiche entfernt?" Caro versuchte sich an Details zu erinnern, vergeblich - dennoch gab sie ihr Bestes, um die Fragen des Kommisars zu beantworten. "Ich glaube, es war gar nicht mehr so weit entfernt, von da, wo ich auf die Leiche gestoßen bin, aber ich bin dann da ja nicht weitergegangen. Für eine Taschenlampe wäre es ein ziemlich helles Licht gewesen. Es war eher wie ein Scheinwerfer, vielleicht ein Motorradscheinwerfer?" Reynolds konnte sich weiterhin einfach keinen Reim draus machen, schrieb aber jedes einzelne Detail auf. Daraufhin schickte er Caro nach Hause - mit der Bitte, sich zu melden, falls ihr doch noch etwas einfiele und beauftragte die Spurensicherung das Gelände über den Fundort hinaus noch genauer unter die Lupe zu nehmen und diese machte eine erstaunliche Entdeckung...
Dort, wo das Licht gewesen sein musste, fanden sie eine riesige Grube, genauer gesagt eine Knochengrube. Das mussten Skelette von mindestens zehn Menschen sein! Und wie kam diese Leiche zu der Knochengrube? - Reynolds wurde der Fall langsam immer unheimlicher. War der Milliardär etwa einem Serienkiller auf die Schliche gekommen und musste angesichts seines Wissens dem Tode selbst ins Auge blicken? War er Opfer oder vielleicht sogar Täter? Zunächst galt es, die Identität der weiteren Toten festzustellen. "Also Frau Schliewe, ich sehe, sie sind ziemlich durcheinander und ich auch!" Sagte er zur Beruhigung mehr zu sich selber als zu Caro, klopfte ihr väterlich auf die Schulter und drehte sich dabei um und suchte nach Frau Klinger, die die Spurensicherung leitete, denn von ihr wollte er jetzt mehr erfahren. Die Verwesung der Leichen war bereits zu einem hohen Grad fortgeschritten - durch DNA-Untersuchungen konnten jedoch entscheidende Informationen gewonnen werden und der Abgleich mit der Kriminellen Datenbank lieferte teils verblüffende Ergebnisse. Denn unter den Toten befanden sich sowohl die Mutter von Caro als auch ihr kleiner Bruder, die vor weit mehr als einem Jahr als vermisst gemeldet worden waren und Caro als Waise zurückgelassen hatten. Diese Information war zu viel für Caro - der kleine Hoffnungsschimmer, dass ihre Liebsten noch am Leben seien war nun zerstört.
Der Leichenfund war nun schon 2 Wochen her und Caro brauchte jetzt unbedingt jemanden zum Reden; Nina! Mit zittrigen Händen, tastete sie nach ihrem Handy, zog es aus ihrer Hosentasche heraus und tippte Ninas Nummer. Seit der Vernehmung hatten die beiden nichts mehr voneinander gehört und ausgerechnet Nina war es, die Caro in der Nacht im Stich gelassen hat bzw. sie nicht aufgehalten hatte, eine solch erschreckende Entdeckung mit weitreichenden Folgen zu machen, die sich Caro in ihren schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen konnte. Doch Nina war nicht da oder ging nicht ans Telefon und Caro war wieder allein. Caro nahm ihre Jacke und ihren Schlüssel und verließ ihre Wohnung, um durch einen Spaziergang ihren Kopf wieder freizubekommen. Also machte sie sich auf den Weg, ganz unbewusst kam sie wieder an dem Waldstück vorbei und plötzlich waren sie wieder da: die Scheinwerferlichter. Caro konnte einfach nicht anders. Sie ging wieder auf die Lichter zu. Und plötzlich knaxste es hinter ihr. Ohne Zweifel stand jetzt der Killer hinter ihr. Das Herz schlug ihr bis zum Hals und dann war alles schwarz.

MissPing, Bloghusen, Andrea, Lotte und Verey.

Kommentare:

  1. Gänsehaut! Applaus den großartigen Schreibern, ein tolles Werk ist das geworden und so ganz anders, als unsere Story (auf dessen Ende ich aber sehr gespannt bin ;-))

    Liebe Grüße und eine schöne W☼che!
    Hella

    AntwortenLöschen
  2. Toller Krimi, richtig gut geworden! Ich schließe mich dem Lob an, Eure Geschichte liest sich echt spannend!
    Lg, Tessa

    AntwortenLöschen
  3. ich bin auch ganz begeistert von eurer Version! so spannend und richtig gut geschrieben. und das Ende ist perfekt herausgearbeitet.
    danke euch für's Mitmachen!

    AntwortenLöschen

* Vielen lieben Dank für dein Feedback! Ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar und bin gespannt auch deinen Blog kennen zu lernen. *

Bitte beachte aber, dass es inhaltlich zu meinem Post passt. Antworten auf die Kommentare, die ich auf deinem Blog hinterlassen habe, gehören dorthin oder in mein Postfach.
Unpassende Kommentare, wie auch Werbe-Kommentare werden gelöscht.

Kommentare sind anonym, mit Angabe deines Namens + ggf. URL oder mit verschiedenen Profilen möglich. Einfach unten auswählen.